Musik, Freundschaft und Gemeinschaft am Pfadi Folk Festival

Am Wochenende feierten rund 4000 3500 Pfadfinder im Sennhof am Pfadi Folk Fest (PFF). Die Musik war dabei nicht das Einzige, was zählte. Es herrschte eine entspannte Atmosphäre. Junge Männer und Frauen standen im Kreis und warfen sich eine PET-Flasche zu. Daneben spielten andere Balltrampolin. Vier Personen sassen am Boden und spielen Karten. Manche schlenderten über die Wiese. Die Warteschlange vor dem Glacestand war kurz; um einiges länger die Kolonne, die sich vom Bahnhof zum Festivalgelände auf dem Tössdamm bildete, wenn ein Zug in Sennhof-Kyburg angekommen war.

Die meisten Teilnehmer sind Rover oder Pfadileiter und deshalb um die zwanzig. Sie verfolgten das Gespräch mit den zwei Gründern und der Gründerin des Festivals, das erstmals 1975 in Winterthur stattfand. Die Idee sei im Zug von Effretikon nach Winterthur geboren worden, bei der Rückkehr von einer Probe der Roland Fink Singers, war zu erfahren. 

Auf der grossen Bühne spielte am Samstag vor überschubarem Publikum das Duo Eggs and Tiaras anstelle von Ladunna, die krankheitshalber ausgefallen war. Den Freiraum vor der Bühne nutzten zwei junge Männer aus Delsberg zum entspannten Tanzen. Davor haben die beiden Welschen, die ein bisschen Deutsch sprechen, in einer Gruppe von Deutschschweizern Volleyball gespielt. Warum sind sie gekommen? Die Pfadfinderbewegung sei genial, sagte der 18-jährige Misaki, der in Delsberg Sozialwissenschaften studiert, gegenüber dem Journalisten des Landboten. Man sei hier wie in einer Familie: «C'est très cool.» Castor ist 19 und macht eine Lehre als Mediamatiker. Er schätzte am Festival die sympathische Ambiance. Bei den Pfadfindern sei er schon seit 13 Jahren, seit seine Mutter, die selbst Pfadfinderin war, ihn dorthin brachte. Vieles finde er an den Pfadfindern gut, sagt Castor, vor allem aber, dass man hier Freundschaften pflegen könne und lerne, Verantwortung zu übernehmen. 

Das Pfadi Folk Fest findet seit 1975 statt. Für das 50-Jahr-Jubiläum wurde am Rand von Winterthur, in Sennhof an der Töss, eine Wiese gefunden. Rund 4000 meist junge Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus der ganzen Schweiz haben sich für den Anlass angemeldet. Pfadihemden waren zur Enttäuschung des Journalisten des Landboten auf dem Gelände kaum zu sehen. Das liege daran, dass es ein Plauschanlass sei, sagte ihm Mitis, die die Medien betreut. Viele trugen aber die Krawatte. Das sorge für ein starkes Gemeinschaftsgefühl, erklärte Mitis. 

Viele Ideen des Pfadigründers, des britischen Generals Baden-Powell, hätten bis heute überlebt, vor allem, dass es darum gehe, Verantwortung zu übernehmen, und das Leben mit der Natur. In der ganzen Schweiz gab es laut dem Verein Pfadibewegung Schweiz (PBS) 2024 über 51 000 Pfadfinderinnen und Pfadfinder, Tendenz steigend. «Die Pfadi ist ein sicherer Ort, wo ich sein kann, wie ich bin», sagte Sharena aus Basel. Man nehme Rücksicht aufeinander, sei tolerant. «Und das ist die ideale Basis, um Abenteuer zu erleben und sich weiterzuentwickeln.» Die 22jährige, die als Sozialpädagogin an einer Sonderschule arbeitet und Soziale Arbeit studiert, findet es «mega schön», dass man sich am Festival mit anderen austauschen kann. Schade finde sie nur, dass es wenige Romands, Rätoromanen und Tessiner habe. In der Pfadi hätten viele eine «ähnliche Wellenlänge», sagt Jerry. «Deshalb verstehen wir uns hier recht gut.» Es sei ein guter Ort, um Freundschaften zu pflegen. «Ich getraue mich jetzt mehr, auf Leute zuzugehen», sagte die 18-Jährige, die in Münchenstein BL die Fachmittelschule besucht. 

Zufrieden mit dem bisherigen Verlauf des Anlasses ist auch der 31jährige Co-Präsident des Organisationskommittees, Dextro aus Wil ZH. Die grösste Herausforderung sei es gewesen, Leute zu finden, die so ein Festival organisieren könnten, sagt Dextro. Über 60 Helfer arbeiteten mit. Sein Pfadiname Dextro stehe für Traubenzucker. «Weil ich immer voller Energie bin.» Mit der Arbeit für das Festival könne er anderen etwas ermöglichen, was er selbst erlebt habe, sagt Dextro. 

(nach Helmut Dworschak im Landboten / bearbeitet)


Bilder (Fotos: Verein PFF 2025 Winterthur):

  1. Das Duo Eggs and Tiaras hat Spass an seinem Auftritt vor einem kleinen Publikum. 
  2. Familiäre Atmosphäre: Am Festival werden Beziehungen gepflegt und neue Kontakte geknüpft. 
  3. Gute Stimmung auf dem Gelände des Festivals Pfadi Folk Fest in Sennhof: hier beim Konzert des Duos Eggs and Tiaras. 

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